Tag 17

beginne ich als Zombie. Schlaflos und immer mal wieder mit der Story aus dem Distelfink beschäftigt, wenn mir die Nacht zu lange wurde und die zu großen Teilen in New York spielt, drängen sich mir Bilder vom Village, Eliot Island, den vielen Brücken und den vielen schrägen Kneipen, Ground Zero, von The Cloisters und den kunstvollen Einhornteppichen auf. Die sieben Einhornteppiche beeindrucken mich bis heute. Vielleicht auch weil wir fluchtartig das Cloisters verlassen mussten. Eine Durchsage kündigte die Schließung der Metro an und das Cloisters liegt weit außerhalb der City. Eigentlich wollte ich auch zu einem Tanztheater von Pina Bausch in Brooklyn. Leider war gerade die Brooklyn Bridge und auch alle anderen Verbindungen raus, abgeriegelt worden. Manhattan war eine Insel. Und Hurrican Sandy war im Anmarsch. Die New Yorker feierten Hurrikan-Partys, wie sie es schon ein Jahr zuvor taten und damals war es ja auch übertriebener Alarmismus. Da war es dieses Jahr sicher auch so. Alles übertriebener Katastrophenalarm von dem man sich am besten nicht mitreißen ließ. Aber als Chris und Nina, derweil in Italien unterwegs, alarmierte Nachrichten schickten, war es mit meiner Ruhe auch bald vorbei. Nachts folgte dann auf einen Blitz am Himmel eine laute Detonation – ein Umspannwerk in Manhattan war explodiert und der Strom fiel infolge dessen bis zu unserer Straße in einem großen Teil der Stadt aus. New York war von einer vier Meter hohen Flutwelle getroffen worden. Am Morgen war alles bis kurz vor das Appartement überschwemmt und wir saßen ohne Heizung, ohne Toilettenspülung,ohne warmes Wasser und mittlerweile ohne Nachrichten einigermaßen fassungslos da und überlegten, wo wir unsere Handys aufladen könnten um Kontakt halten zu können. Dafür mussten wir mit einem ganzen Strom anderer Leute bis runter gen Norden pilgern. So ab der 30. Straße gab es langsam wieder Strom. Dort ließen wir uns an der Theke eines Irish Pub nieder, den Bildschirm mit den neuesten Nachrichten im Auge und die Cellphones am Stromnetz., wie viele andere auch. Sprachlos verfolgten wir die Neuigkeiten über die Katastrophe. Susi und Fini waren ebenfalls aufgescheucht und wir machten uns Sorgen über unseren Rückflug – alle Flughäfen waren nur noch im Notbetrieb. Die Einkaufsläden hatten dann abends auf Kerzenbeleuchtung und Barzahlung umgestellt. Eine völlig schräge Atmosphäre. Aber was soll ich sagen: es is noch mal gut gegangen. Dank Fini, dem Kind, wurden wir für nen Flug priorisiert – nicht ohne dass eine PoC mit anscheinend viel Humor, böse Späße mit mir trieb und mir erklärte, dass ich leider keinen Platz mehr hätte bekommen können und in New York bleiben müsse, bis der Flugverkehr sich wieder normalisiert habe. Er labte sich an meiner tiefen Bestürzung. Humor ? 🤪

Hier mehr dazu: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Meister_der_Einhornjagd

Aber was hat das jetzt mit hier und heute zu tun? Im Zweifelsfall: nada. Der Distelfink ist schuld. Also Lektüre wechseln.

2 Kommentare zu „Tag 17

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