Unn nu?

Was für ein sonderbarer erster Mai. Immerhin haben wir ihn im Garten stilecht angefangen. Wir haben uns die rote Fahne geschnappt, sind durch den Garten gehopst und haben Freight Train und dieses Lied von Danger Dan(?) gesungen. Und das hat mein Entzücken, wieder hier zu sein, nur gesteigert. 😉

Schreiben und Knipsen fehlt mir allerdings . Komisch, wenn man keinen direkten Anlass mehr hat wie Reha. Dann halt eben wieder Grenzen. Das vergeht ja nicht.

Themen darüberhinaus gäbe es schon: die neue Waschmaschine meiner Freundin, die sie an die Geschichte von Stanislaw Lem erinnert, weil sie mit ihr reden kann; meine Spülmaschine, die immer noch kaputt ist; mein mazda mx5, der auch immer noch kaputt ist; das Buch, das mir empfohlen wurde und sich um Grenzen dreht…Da steht beispielsweise drin, dass das Grundstück, das man besitzt, sich in die Erde und den Himmel fortsetzt. Bloß blöd, dass die Besitzrechte von anderen Gesetzen so eingeschränkt werden, dass man sie quasi doch nicht besitzt, diese Rechte. Wir haben heute nämlich überlegt, ob wir Elon Musk und Jeff Bezos verbieten könnten, ihre Satelliten in den Himmel zu schicken, wenn wir sie über uns nicht sehen wollen. Aber nee, die stratosphärische Grenze hebelt das aus. Dumme Sache. Darüber kann der machen wie er will. Gar nicht ok, das!

Tag 37

Last chance für neue Erkenntnisse. Habe schon alle Formalien erledigt, eben das letzte Mal hier in der schönen Wiese unter den Robinien chi eingesammelt und mir schon ein paar Abschiedsworte für morgen überlegt. Jede, die geht, wird gefragt, ob sie noch etwas sagen möchte und natürlich tun das dann auch alle. Also werden das folgende morgen früh meine letzten Worte hier sein.

Obacht, sehr hoher Optimismusfaktor. Wahrscheinlich nicht ganz angebracht 😉

Ich habe auf dem Gisinger Wanderweg folgendes gelesen: Bleiw änfach mo stehn, guck dich om, mach de Auen weit off, de Welt is doch scheen. Bis gestern habe ich hier 777 Fotos gemacht und viel Schönes entdeckt, mein Herz ♥️ an die Bäume verloren und das Frühlingssprießen. Also zumindest habe ich begonnen, die Augen weit aufzumachen. Und wünsche allen alles Gute.

Is ok, oder? Nicht geschleimt, aber zuversichtlich. Jetzt freue ich mich auch total, heimzukommen und dann werde ich am Donnerstag gleich 2 Wunschessen bekommen: Dibbelabbes bei de Mama – unser klassisches Urlaubsrückererbegrüßungsessen und Lecker Pizza in Rouhling (was mich sehr freut).

Tag 36

Im Yoga begann die Yogalehrerin, die im übrigen über 70 ist und mit Yoga ihre Hüftoperation 30 Jahre rausschieben konnte, wie sie uns erzählte, mit den alten Griechen: die Götter Chronos und Kairos wurden uns vorgestellt. Und ja, was soll ich sagen, die alten Griechen haben ja fast so viele Götter wie die Hindus. 😉 Wobei diese sehr viel phantasievoller und farbenprächtiger aussehen. Die Geschichten dazu sind aber hie wie dort spektakulär. Jedenfalls hat sie uns darauf hingewiesen, dass Chronos unerbittlich ist und wir nicht verpassen sollten, Kairos am Schopf zu packen. Tja, dääd ich jo mache. Aber Kairos nimmt immer ne andere Route. Ah ja, es gibt auch noch Äon und Kronos. Von denen hat sie aber nix erzählt. Kronos frisst seine Kinder. Ist das nun Lektion 8? Geh Kronos so lange aus dem Weg, bis du Kairos am Schopf packen konntest? 🙃 Das kann bei mir eventuell noch achthunderttausend Jahre dauern. Soviel Zeit ist nicht mehr. Aber okay, vielleicht hab ich ja Kairos am Schopf gepackt letztes Jahr, nur auf etwas verquere Weise. Könnte ja sein. Ich sag jetzt mal, war genau so!

Und eben gerade in ner Gruppe ging es darum, wie man glücklich sein kann. Das nun wieder ist eine sehr diffizile Dauerbaustelle. Da müssten wir mal Bob, den Baumeister zu Rate ziehen. Oder das Video von Onkel Willi. auf Tag 34, glaube ich, ist es verlinkt 🙂.

Die Therapeutin zitierte aber Kristin Neff und ihr Konzept des Selbstmitgefühls. Hm, ich glaube statt achtsames Selbstmitgefühl kann ich mehr mit dem Spruch in der alten Villa auf dem Monte Verita (Ascons), in der Aussteigerinnen um die Jahrhundertwende die Welt mit ihren Verrücktheiten bereicherten, anfangen. Da steht nämlich irgendwo: Wo Ich ist, soll Es werden. 🥴🤪 Für das, was dann passiert, kann ja Bob herhalten und aufräumen.

Puh, eben war es echt krass. Mir wurde von einer Mitinsassin erklärt, dass wir in einer Coronadiktatur leben, dass Bill Gates ein pädophiler Schweinehund ist, dass da Partys abgehen, bei denen Kinder getötet werden, dass Obama ein Verbrecher ist und homosexuell und seine Frau Michelle eigentlich ein Mann ist. Darüber hinaus sollte ich mich engagieren, um unsere Demokratie zu retten, weil 2 Millionen gegen 81 Millionen andere nix ausrichten könnten. Ich habe mich höflich rausgewunden mit der Bemerkung, dass alle Kämpfe erstmal von Minderheiten geführt werden. Da müsste sie durch.

Daraufhin musste ich zu meiner Lieblingsablenkung Nr.2 greifen, die mir beim Entlassungswiegen 2 kg mehr einbrachte. Aber wohl nicht nur die. 🥲

Tag 35

Gestern gab es bei der heiligen Oranna keine Kerzen mehr. Also keine Wünsche ans Universum in Gestalt Orannas. 😉 Ansonsten habe ich wieder so schöne Blicke ins Saargau genießen können. Einfach wunderbar. Die Gisinger Tour ist absolut empfehlenswert! Und ich habe den schiefsten Baum ever gesehen. Unglaublich, wie er in dieser Form so stark werden konnte. Vielleicht ist das Lektion Nr.7?

Er sieht eigentlich noch viel schepper aus, aber das ist schon auch krass schepp…

Ps: Gestern abend habe ich hier nen jungen Studenten kennengelernt und ihn gefragt, wie lange er noch bleiben würde. Er erzählte, dass er aus Lux ist und dort direkt 2 Monate genehmigt werden, dass diese jetzt bald vorbei sein werden und er am liebsten bleiben würde. Das hat mich voll erschüttert. Für ihn ist die Struktur hier eine große Erleichterung und er meinte: „das hier ist sowas zwischen Jugendknast ubd Erwachsenenferienlager“. Da musste ich dann trotz allem lachen. Aber als ich ihm heute das Buch‘Das Glück ist grau’ , in dem es um einen Esel geht – deshalb grau-, angeboten habe, hat er abgelehnt. Der Titel war ihm zu negativ. Eigentlich ist es ein sehr positives Buch, nur viel zu langatmig geschrieben für mich. Seine Definition der Rehaklinik werde ich vielleicht weiterleiten an die Chefetage😜

PPs: Was völlig Irres heute aus der Zeit: Superreiche ziehen sich in Coronazeiten vermehrt auf ihre Privatinseln zurück. Alternativ kaufen sie sich ein eigenes Arboretum mit mächtigen alten Eichen oder auch Olivenbäumen und Palmen. Diese werden an ihrem Standort ausgebuddelt, verschifft oder weiß der Geier wie, transportiert und in ihre neue Heimat versetzt. Das wird dann auch noch als CO2 Ausgleich für den Bau ihrer riesigen Villen schöngeredet 😡🙄. Jedenfalls finde ich das ziemlich bescheuert. So kommen erstens keine neuen Bäume in die Welt und zweitens kommt die Arbeit für die Umpflanzung ebenso wie der Transport noch zu dem CO2 Fußabdruck durch den Bau der Villen dazu. Wie doof ist diese Argumentation. Noch schräger geht ja fast gar nicht. Da kommt keine Logik mehr mit. Soviel zum Thema nachhaltiger Konsum. In der Zeit wird beschrieben, wie sehr die Sehnsucht nach Natur die Superreichen umtreiben würde.., der gesamte Artikel ist kritisch und stellt die Entwicklung gut begründet in Frage.

Hier das Zitat: Ein „Arboretum für Einsteiger“ mit einer Auswahl von etwa 50 großen Exemplaren startet bei 20.000 Pfund (rund 23.000 Euro). Mit den Bäumen lasse sich nicht nur ein Hingucker schaffen, berichtet der Telegraph, sondern auch das Umweltgewissen entlasten. So machten sie gleichzeitig den CO2-Ausstoß wett, den die Eigentümer beim Bau der neuen Villa verursachten. Da können die Unverpackt-Läden gleich mal einpacken .

Tag 34

Das! Video zum Glück im Leben und dem ganzen Rest. Essentiel. I love. 😇. Und ich schließe mich diesen wesentlichen Wünschen an. Auch mir wäre das genug, wobei das eine oder andere Zwickel dazwischen auch ganz nett wäre. Daher gehe ich nachher zur heiligen Oranna und zünde Kerzen an. Vorher muss ich noch scharf 🌶 nachdenken, wie ich die Wünsche so äußere, dass Oranna sie nicht bedenklich findet. Außerdem gibt es noch eine Kerze für meinen Papa.

https://m.youtube.com/watch?v=rKaOwuuQTto&feature=youtu.be